Persönliche Werte –
Dynamiken und Wechselwirkungen verstehen und gezielt lenken

Werte erkennen und lenken – immer im win-win

Unsere ur-menschlichen Grundbedürfnisse und systemische Gesetzmäßigkeiten bilden zusammen mit unserer Sozialisation ein fest verknüpftes Wertesystem. Wie das eigene Engagement beruflich, persönlich oder familiär zum Erfolg führt, kann man lernen – und dabei die besten Wachstums-Gene aktivieren, die wir uns vorstellen können. Doch wie können wir wissen, welche Dynamiken sich in Teams entwickeln und wie sie zu lenken sind?

Wer kennt es nicht – es ist Sonntag und die Nachbarn fangen an zu bohren. Ob sie das dürfen, ist fast schon egal. Es gehört sich einfach nicht. Sonntags muss es ruhig sein.
Leben oder arbeiten Menschen eng aufeinander, gehört es zum Alltag: der Streit um die Deutungshoheit, was sich gehört und was nicht. Doch wie kommt es dazu?

Die sonntägliche Ruhe, persönliche Kleidungsvorlieben, das Grüßen von Nachbarn etc. sind per Definition keine unerschütterlichen Naturgesetze. Sie sind Ausdruck individueller, manchmal auch kulturell-gemeinschaftlicher Wertvorstellungen.

Der Psychologe Paul Watzlawick hat mit seinem konstruktivistischen Ansatz verdeutlicht, dass unsere Realität nicht objektiv vorgegeben ist, sondern durch unsere Wahrnehmung und Interpretation geformt wird. Unsere Werte entstehen also nicht aus unumstößlichen Regeln, sondern aus Erfahrungen, Erziehung und kulturellen Einflüssen. Ein Beispiel: In manchen Kulturen gilt Pünktlichkeit als ein Zeichen von Respekt, in anderen ist es flexibler und von weniger Bedeutung.


Werte sind Teil von dynamischen Systemen

Werte entwickeln sich nicht isoliert, sondern in Wechselwirkung mit unserer Umwelt. Sie beeinflussen, wie wir Entscheidungen treffen, wie wir Konflikte austragen und wie wir unsere Beziehungen gestalten. Besonders in Teams oder Familien treffen oft unterschiedliche Werte aufeinander – dies kann zu Reibung führen, aber auch gemeinsames Lernpotenzial bergen. Die entscheidende Frage lautet: Wie lassen sich diese Dynamiken konstruktiv lenken?


Werte im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft

Manche Werte sind stark individuell geprägt, andere sind gesellschaftlich normiert. Während für den einen „Freiheit“ bedeutet, jederzeit spontan handeln zu können, bedeutet Freiheit für jemand anderen, sich auf Regeln und feste Strukturen verlassen zu können. Solche Unterschiede können zu Spannungen führen – etwa, wenn ein introvertierter Arbeitnehmer Ruhe am Arbeitsplatz sucht, während sein extrovertierter Kollege viele Gespräche braucht, um produktiv zu sein.

Werte sind allerdings nicht statisch. Sie ändern sich mit der Zeit. Während vor 50 Jahren Gehorsam und Disziplin in der Erziehung zentrale Werte waren, stehen heute Selbstverwirklichung und individuelle Förderung im Vordergrund. Unternehmen müssen sich dieser Dynamik bewusst sein, um eine moderne und anpassungsfähige Unternehmenskultur zu schaffen und diese gleichzeitig mit den Bedarfen des Unternehmens in Einklang zu bringen.


Strategien zur bewussten Lenkung von Werten in Teams und Organisationen

  • Reflexion: Sich bewusst machen, welche Werte im Team vorhanden sind und wo Unterschiede liegen. Diese Unterschiedlichkeit führt häufig zu Unstimmigkeiten oder Streit, sie kann aber sogar auch bereichernd für die Erfüllung des Teamauftrags wirken.
    Für das Führungsverhalten spielen insbesondere die eigenen Werte eine große Rolle. Sie bilden den eigenen Maßstab, wie Situationen, Informationen oder Ergebnisse bewertet werden.
    Einen guten Anhaltspunkt geben hier die sogenannten Metaprogramme. Sie beschreiben die Tendenzen, wie ein Mensch Informationen aufnimmt und verarbeitet.
    Eines der schönsten Beispiele, welches ich je gehört habe, kommt von einem ehemaligen Seminarteilnehmer: „Für meinen Mitarbeiter sind selbst 99% noch nicht genug. Ich denke mir, hier bei dieser Tätigkeit, für das was wir letztendlich brauchen, sind schon 80% Weltklasse.“ Wer hat jetzt recht?
  • Unterschiedlichkeit kommunizieren: Offene Diskussionen über Werte und deren Bedeutung führen. Hierbei transparent machen, dass die Unterschiedlichkeit bestehen bleiben darf und bestehen bleiben soll. Hierbei helfen gemeinsame Leitlinien – bzw. ein Prozess, der aushandelt wie mit unterschiedlichen Meinungen, Sichtweisen oder Prioritäten umgegangen wird, so dass das Team den Team-Auftrag bestmöglich erfüllen kann.
  • Eine gemeinsame Team- oder Unternehmenskultur kann ebenfalls helfen, die Zusammenarbeit mit gleichbleibend unterschiedlichen Werten zu definieren. Solche Leitlinien sind keine starren Vorgaben, sondern Inspirationsquelle, wie unser persönlicher Beitrag für eine gelungene Zusammenarbeit aussehen kann.
  • Reflexion der eigenen Rolle: Viele internale Differenzen entstehen durch persönliche Werte und die Anforderungen, die unsere berufliche Rolle mit sich bringt. Hier hilft die Akzeptanz, dass diese innere Unterschiedlichkeit oft nicht aufgelöst werden kann. Daher müssen wir bewusst trennen, zwischen Person und Rolle und dies auch nach außen hin kommunizieren.
  • Flexibilität: Akzeptieren, dass Werte nicht in Stein gemeißelt sind und sich anpassen oder verändern können.
    Das braucht zwar Zeit, aber dann, wenn wir immer wieder aufs Neue eine gute Erfahrung machen, können wir uns immer wieder neu verändern und doch uns selbst bleiben.
    Das kann aber nur funktionieren, wenn wir immer wieder die Bestätigung bekommen, dass so wie wir denken, absolut in Ordnung ist – auch wenn unser Gegenüber vielleicht eine völlig andere Meinung hat.

Wer die Dynamiken von Werten versteht und gezielt lenkt, kann sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Kontext nachhaltigen Erfolg erzielen. Werte bestimmen, wie wir unser Leben führen, aber wir haben auch die Möglichkeit, sie bewusst zu gestalten und zu verändern.


Referentin: Elsbeth Trautwein, Geschäftsleitung TrautweinTraining GmbH, Lehrtrainerin für Führungskräfte, Unternehmensberater*innen, Coachs und Trainer*innen.


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